Bericht aus Antarktika!

5 Februar 2015

5 Februar 2015: Anne-Margaretha sendet Bericht aus Antarktika!

Anne-margaretha deception Isl. (Deception Insel)
Am Donnerstag (29. Jan.) verlassen wir Greenland Island und segeln nach Deception Island. Die Insel ist ein Vulkankrater, wir werden mit stürmischem Wind begrüsst und weit hinein in den Krater bis zur Telefon Bay und ankern in einer kleinen Bucht. Umgeben von Gletschern und schwarzem Lavageröll. Sieht sehr kalt und unwirtlich aus und ist es auch. Leider halten die Anker nicht und wir müssen das Manöver wiederholen. Zuerst lasse ich die Ankerkette zu langsam auslaufen, später schlägt die Bremse um. Heinz, Maarten und ich stehen also 1,5 Stunden in Wind und Regen und spielen Anker rauf – Anker runter bis schliesslich alles okay ist und auch wir über das köstliche Abendessen herfallen können. Am nächsten Tag drehen wir eine Touristenrunde. Baden in Pendulum Cove (das Wasser strömt 70 Grad heiss aus dem Boden, wir graben ein Loch als Badewanne und mischen Seewasser dazu bis die Temperatur stimmt), dann ein Landgang in der Whalers Bay und schliesslich ein Besuch bei der Spanischen Station. Wir werden nett begrüsst, erhalten eine Führung und Kaffee und Kuchen. Die Station wird vom Militär betrieben und von Wissenschaftlern genutzt, sie ist nur knapp 3 Monate im Sommer offen. Die Stimmung ist gut, alle scheinen glücklich zu sein hier arbeiten zu dürfen, auch wenn es im ersten Monat nur 3 Tage mit Sonne gab.Pendulum Cove und Anne-Margaretha

Anne-Margaretha aan wrak( Wrack bei Enterprise Island)
Am nächsten Morgen fahren wir ans Festland, zur Antarktischen Halbinsel. Ziel ist eine kleine vorglagerte Insel, Enterprise Island. Ankunft ist um 5 Uhr früh, wir machen an einem Wrack fest, vermutlich ein alter Walfänger der hier langsam vor sich hin rostet. Neben uns liegt die Santa Maria Australis und wir plaudern etwas. Am Nachmittag klart es auf, bei Sonnenschein machen wir eine Tour mit den Dinghys. Es ist eunderbar – Eis, Berge, Gletscher bei blauem Himmel. Dann Buckelwale, ganz dicht. Sie jagen, dazu schwimmen sie unter Wasser im Kreis, lassen Luftblasen aufsteigen und teiben so Krill und kleine Fische zusammen um sie dann zu fressen. Wir machen unzählige fotos und filmen und kucken un staunen.

Buckelwal bei Anne-MargarethaMontag früh (2. Feb.) geht es weiter, bei Sonnenschein und Flaute. Optimale Bedingungen für Whalewatching. In der Wilhelmina Bay sehen wir etwa 50 Buckewale, wir fahren langsam und lassen uns treiben. Sie jagen in kleinen Gruppen, teilweise neben und unter uns, zeigen Flossen und Fluken und lassen sich von uns überhaupt nicht stören. Natur und Tierwelt wirken unberührt. Aber allein hier begegnen uns 4 Kreuzfahrtschiffe, wir sind also alles andere als alleine unterwegs. Irgendwann fahren wir weiter, ein Stück durch die Gerlache Strasse und in die Paradise Bay. Inzwischen hat der Wind schon wieder zugelegt und es ist grau und kalt, später schneit es etwas. An der Chilenischen Station versuchen wir zu ankern. Unsere Landleine wird noch beim Abendessen von einem Eisberg angehoben und rutscht an. Wir treiben quer und hängen mit der Ankerkette vor dem nächsten Eisberg der dann auseinanderbricht. Alles geht schnell, bald sind wir glücklicherweise frei und der Anker ist ohne weitere Probleme oben. Leider müssen wir nun wieder die Nacht durchfahren. Aufgrund des Eises gibt es hier keine geignete Bucht zum ankern und wir steuern Port Lockroy an. Die Nacht ist kalt, in der Gerlache Strasse müssen wir mit Gross und Motor aufkreuzen, zum Glück scheint der Mond und es ist wenig Eis unterwegs. Ankunft ist morgens um 9 Uhr.

Anne-Margaretha bei Port Lockroy(Port Lockroy)
Am Tage besuchen wir Station und Museum. Hier ist das südlichste Postamt der Welt und wir schreiben Postkarten. Die Station befinet sich mitten in einer Pinguiunkolonie. Die kleinen warten auf ihre Eltern, schlafen ruhig in der Sonne oder werden gefüttert. Es macht Spass ihnen zuzusehen.

Nachts frischt der Wind auf. Noch vor dem Frühstück sind alle in Aktion – eine der Landleinen löst sich, der Anker slippt. Wir bringen mit dem Dinghy weitere Leinen aus, Heinz versucht mit dem Motor die Anne-Magaretha auf Position zu halten und erwischt eine der Landleinen. Mit Tau in der Schraube und weiter zunehmendem Wind ist die Situation kritisch. Am Windmesser lese ich ständig über 50 kn, bis zu 61,5 kn ab (also satte 11 Windstärken)…  Irgendwann liegen wir halbwegs sicher an diversen Landleinen. Den Rest des Tages verbringen wir damit den Propeller von der Leine zu befreien. Mit Hilfe der GoPro-Kamaras lässt sich die Situation gut filmen. Leider lässt sich mit Bootshaken und ziehen nichts erreichen. Also muss die Crew irgendwann ins Wasser. Der Neoprenanzug passt allen, der Reihe nach tauchen wir
und jeder wickelt ein paar Schlingen ab. Bei – 0,7 Grad Wassertemperatur bleibt keiner lange im Wasser, die Finger werden zu kalt zum arbeiten. Die Freude ist gross als wir schliesslich die letzten Schlingen mit einem kräftigen Zug an den Tauenden frei bekomen! Wir haben es geschafft, der Motor ist wieder einsaztbereit. Später schneit es und es wird rutschig an Deck. Am Abend legt der Wind erneut auf 50 kn zu, am Morgen flaut es ab und die Sonne kommt raus. Wir machen uns klar fü einen weiteren Landgang.

leopard seal near Anne-Margaretha( Bild: leopard seal)

Es ist wirklich toll hier unten in dieser Eiswelt, Kälte und Strapazen werden gerne hingenommen. Das Programm ist satt gefüllt mit Herausforderungen und Abenteuern. Für die nächsten Tage wünsche ich mir etwas mehr Ruhe und gerne auch Langeweile, sowie Zeit zum Bewundern der einzigartigen Natur.

Sonnige Grüsse an alle!

Astrid

gentto near Anne-Margaretha

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