„Lekker“ Segeln

2 Mai 2008

2. Mai 2008, Hundewache (0-4 Uhr)

Auf einer Kitsch-Postkarte sieht es nicht viel anders aus: Der Stern des Südens zeigt sich am wolkenlosen Sternenhimmel, der rote Mond liegt auf dem Rücken, um uns herum nichts als das stille Rauschen der Wellen. Wenn sie sich brechen, leuchtet das Plankton im Dunkeln und macht die Nacht etwas heller. Tagsüber ein ähnliches Bild: Delphine, die meterhohe Sprünge im violetten Lüchten der untergehende Sonne machen, fliegende
Fische, die über den Wellen schweben und ab und zu an Bord landen, Massen von Seevögeln, die in Scharen vor unserem Bug auffliegen und sich ein  neues Plätzchen suchen, dazwischen wir, in der Sonne liegend, lesend,  geniessend unter den weit ausgebaumten Passatsegeln, die uns stetig in Richtung Galapagos ziehen. Von Monotonie aber keine Spur! Mal kreuzen riesige Buckewale unseren Weg, die sich dicht unter der Oberflache  tümmeln, immer wieder riesige Fontänen auspusten und ihre beeindruckenden Schwanzflossen beim Abtauchen zeigen. Ein magischer  Moment. Oder Seehunde dümpeln auf dem Rücken liegend und schlafend, ihr  Köpfchen und den Schwanz in die Höhe streckend, dazu gekreuzte Flossen, vorbei. Werden sie wach, schauen sie neugierig, schläfrig, tauchen kurz ab und schütteln sich und nehmen dann erneut ihre Schlafposition ein.  

Spannender ist es auf dem Achterdeck: Jeden Tag gibt es eine neue Episode  von „Sam und die Angel“.  Ein Tag zog er etwas wirklich starkes an der Angelleine…  Voll im Jagdfieber und voller Hoffnung kämpfte er mit der Schnur – der  vermeintliche Fisch liess vom Köder ab und heraus kam lediglich ein Saugknopf eines wahrscheinlich riesigen Oktopusses. Der Oktopus, mit  ziemlicher Sicherheit stinksauer über den Verlust, zog, kaum dass die  Leine wieder im Wasser war, wütend erneut daran. Heinz, der seinen Sohn  nicht kampflos den Fängen des Tiefseeungeheuers übergeben wollte, eilte Sam zu Hilfe. Immer wieder liess der Oktopus von der Angelleine ab, um  dann erneut wild dran zu ziehen. Wer schliesslich zuerst aufgab, weiss ich  nicht mehr. Und wer in dem Moment glücklicher war, weiss ich auch nicht  mehr: Heinz, der Sam weiterhin sicher an Bord weiss oder ich selber, denn  ein riesiger Tintenfisch auf dem Achterdeck ist so ziemlich das letzte,  was ich mir hier an Bord wünsche… Die Geschichte endet dennoch  erfolgreich, denn heute biss pünktlich zum Abendessen ein Thunfisch an,  den Sam und Tschaeggi mit glänzenden Augen aufs Achterdeck zogen und  gleich filetierten.

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