Poetische Gedanken….

6 Mai 2008

Kurz nach Mitternacht, 6. Mai 2008, 343sm vor Puerto Baquerizo Moreno, Isla
San Cristobal, Galapagos.Ich sass mit Tschaeggi in der Sonne und fagte sie „Was hast Du denn erlebt im Urlaub…?“ Wir schauten uns an, zuckten mit Schultern und lachten minutenlang… Wie kann man unser bisher Erlebtes in Worte fassen? Wie sollen wir erzaehlen, wieviele unterschiedliche Farben das Meer hat,
wieviele Gesichter? Wie den Zauber vermitteln, wenn eine Gruppe Pilotwale am Abend sanft dahingleitend unser Schiff begleitet? Das luxurioese Gefuehl,
sich stunden-, ja tagelang seinen Gedanken hinzugeben und sich den Kopf freipusten zu lassen? Wie dunkel, einsam und wundervoll zugleich eine Nachtwache unter einembeeindruckenden Sternenhimmel sein kann? Ueber was wir reden…? Ueber uns, das Leben, natuerlich spinnen wir auch mal Seemannsgarn und erinnern uns an bereits vergangene Reisen auf See. Und wissen doch, dass das Hier und Jetzt noch lange Bestandteil vieler kommender Segelreisen, wann und wo auch immer, sein wird. Wie erzaehlen, wie man beginnt, ein Schiff zu lieben, seine Zuverlaessigkeit, Bestaendigkeit und Kraft? Wie inzwischen goldbraune Haut duftet und schmeckt, die tagelang nurSonne und Salzwasser beruehrt hat? Das beruhigende Gefuehl in der Koje, wenn das Wasser am Rumpf vorbeirauscht und die Lautstaerke des Plaetscherns verraet, wie schnell die anderen gerade segeln? Wie von dem Genuss der stillen Zeit vor dem Sonnenuntergang erzaehlen, der das Meer und den Himmel in ein magisches Licht huellt? Wie die Sehnsucht nach einer Tafel Schokolade beschreiben? Wie es sich anfuehlt, nur noch knapp ueber 300sm Wasser vor sich zu haben, um das erste Ziel der Reise zu erreichen?Greifbarer sind da sicher Sams Gluecksgefuehle nach dem Fang einer ca. 1,30m langen Dorade oder die geselligen Abendessen mit nach wie vor leckerer und(fang-)frischer Kost. Die zur Aufmunterung beitragenden selbstgebackenenBrote und Kuchen, dass es im Salon oft mehr nach Konditorei als nach Schiff riecht. Nach wie vor blaest der Wind konstant aus SE bis ESE. Wir haben schon aufgegeben, die Tage zu zaehlen, seit denen wir unveraendert ohne Segelwechsel oder auch nur leichtem Segeltrimm dahinsegeln mit Kurs auf Galapagos. Morgen frueh steht eine Halse an… Das erste Segelmanoever abgesehen vom Segel setzen und bergen seit dem Ablegen in Arica. Zugegeben – das ist schon fast wieder weniger vorstellbar…! Mit jeder Meile die wir in Richtung Norden gutmachen wird das Wasser waermer und auch die letzten Wasserscheuen beginnen inzwischen den Tag mit einer ausgiebigen und erfrischenden Salzwasserdusche auf dem Achterdeck. Nicht zuletzt, um sich den Schweiss der Nacht abzuwaschen, denn auch die Lufttemperatur steigt immer weiter an. Bikini oder Badehose und ein T-Shirt sind alles, was wir hier gerade brauchen – auch nachts auf Wache Dankbar sind wir fuer die grossen Segel, den „Halbwinder“ und das „Besanstagsegel“, die ab Mittag Schatten auf Deck spenden. Lesend, in der Sonne liegend, auf dem Spibaum sitzend in luftiger Hoehe und Ausschau nach Walen haltend – so ugf. sieht unser Tagesrhythmus aus. Dazwischen der Form halber mal einen Eintrag ins Logbuch machen (es aendern sich nur die zurueckgelegten Meilen…), Kuechendienst, schlafen, um fit fuer die Nachtwache zu sein… Hier sind keine Sehenswuerdigkeiten, Kneipen Menschen, die den Tag kurzweilig machen und das Tagebuch mit Erlebnissen fuellen. Hier ist man einfach nur sich selbst, als Gast in einer gewaltigen, nicht greifbaren und doch so verletzlichen Natur, die ihrem eigenen Rhythmus folgt und immer mal wieder beim Blick uebers Wasser ein kleines Geheimnis von sich preis gibt. Wir sind nur die Komparsen in einem Schauspiel, in dem Finnwale und Pottwale, Delphine, Seevoegel, Wind und Wellen die Hauptrolle spielen. Aber ich will ehrlich sein: So langsam freue ich mich schon darauf, mal wieder Land unter den Fuessen zu spueren. Am liebsten mit einem Cocktail in der einen Hand, Schokolade in der anderen, Musik und Menschen um mich rum. Und es ist mir gerade auch so ziemlich egal, dass man genau das auf Galapagos eigentlich nicht tun sollte… Papperlapap! Reisefuehrer schreiben sicher keine Menschen, die eine wochenlange Anreise auf See hinter sich haben!
Wir gruessen alle, die aus der Ferne an unserer Reise teilhaben und Esprit, die natuerlich fester Bestandteil des Seemannsgarns ist, das man hier spinnt!
Liefs, Iris

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